Der Beginn der eigentlichen Katastrophe
13. August 2010

(Foto: Ruppert Waldmüller) Rettungssanitäter und Medizinstudent Ferdinand Hofer
Es ist 10 Uhr, noch sind die Schulräume in Charsadda still und leer. Doch in ein paar Minuten werden dutzende Menschen in das Gebäude strömen. Wegen der verheerenden Fluten wurden die Klassenzimmer der Schule zu einer Krankenstation umfunktioniert. Etwa 100 Patienten werden Professor Dr. Dr. Bernd Domres, Dr. Rashid Al Badiund Rettungssanitäter Ferdinand Höfer an diesem Tag behandeln. Heute beginnt das Team der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin mit der Arbeit später als gewöhnlich. Der Ramadan hat begonnen.

(Foto: Rashid al Badi) Das Essen im Land ist knapp. Jeder möchte etwas haben.
Viele Menschen haben an diesem Morgen aus- geschlafen, weil sie bis in die späten Abendstunden den Fastenmonat gefeiert haben, die meisten jedoch ohne Festmahl, denn die Lebensmittel im Land sind knapp. Ernten sind zerstört und Vieh ersoffen. Auch das Wasser wird knapp – in einem Land, dem das Wasser bis zum Halse steht. Aber die Pakistanis brauchen sauberes Wasser, Wasser, das keine Krankheitserreger enthält, Wasser, das man trinken kann. UN-Notfallkoordinator John Holmes warnte bereits vor einer zweiten Welle von Toten durch Krankheit und Hunger. Wenn sauberes Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente und Unterkünfte fehlen, könnten noch mehr Menschen zu Schaden kommen oder sterben.

(Foto: Bernd Domres) Viele Kinder sind traumatisiert und haben Phobien vor Wasser
Mittlerweile sind ein paar Stunden vergangen. Die Sonne steht hoch und der Regen hat für ein paar Stunden ausgesetzt. Das Hilfsteam der Stiftung, das mit der Hilfsorganisation Humedica aus Kaufbeuren zusammenarbeitet, verarztet und versorgt bei über 35 Grad die Flutopfer. Nach den körperlichen Beschwerden machen sich nun auch die psychischen Leiden und der seelische Druck immer stärker bemerkbar. Deswegen ist heute ein einheimischer Psychologe dabei. Er nimmt sich Zeit für die traumatisierten Kinder, die Phobien vor Wasser haben, redet mit den Frauen, die depressiv sind, weil sie ihre Ehemänner, Kinder und ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Ihre Zukunft sieht düster aus.
Wenn das Team am Ende des Tages nach Hause fährt, wird es wie jeden Abend an einem Friedhof vorbei kommen– der größte asiatische Friedhof der Welt. Und täglich der gleiche Anblick: wieder frische Gräber, die bei Regen mit Planen geschützt werden.

(Foto: Rashid al Badi) Im Wasser tummeln sich Bakterien und andere Krankheitserreger
Der Kampf gilt den Überlebenden. Deswegen wird das Hilfsteam auch Morgen wieder in der Schule sein und mit ihnen die Bewohner Charsaddas, die immer noch dringend medizinische Versorgung brauchen.
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